Jetzt auch mit Zertifikat "Typ IIR" für medizinische Produkte

Ab dem 17.11.2020 haben unsere JO Care Mund-Nasen-Masken Made in Germany das Zertifikat "Typ IIR gemäß DIN EN 14683:2019-10" für medizinische Produkte erhalten und dürfen auch Mund-Nasen-Schutz genannt werden. Somit können unsere Masken auch in medizinischen Bereichen verwendet werden. Das komplette Zertifikat finden Sie hier.


Diese Familie baut aus dem Nichts eine Produktion für Masken auf - Haller Kreisblatt vom 16.11.2020

Das Versmolder Unternehmen Brummel hat sich im Januar entschieden, eine neue Branche zu erobern. Und ging dabei mit einer hohen Investition ins Risiko. Das soll sich jetzt auszahlen – mitten in der Pandemie.

Marc Uthmann am 16.11.2020 um 11:00 Uhr

Unter strengen Hygienebedingungen läuft die Maskenproduktion der Versmolder Unternehmerfamilie Brummel unter dem Label Jo Care in Harsewinkel. Ziel ist es, den Mund-Nasenschutz als Medizinprodukt anbieten zu können. - © Martin Kimpel

Unter strengen Hygienebedingungen läuft die Maskenproduktion der Versmolder Unternehmerfamilie Brummel unter dem Label Jo Care in Harsewinkel. Ziel ist es, den Mund-Nasenschutz als Medizinprodukt anbieten zu können. (© Martin Kimpel)

Versmold. Corona rückte bei den Menschen in der Region eigentlich erst Ende Februar, Anfang März, so richtig in das Bewusstsein. Vorher war es ein neues Virus, das in China grassierte – und über das die Tagesschau berichtete. „Doch schon im Januar wurden hierzulande die Masken für den Mund- und Nasenschutz Mangelware", berichtet Julia Brummel. Lange bevor vor allem medizinische Masken in Deutschland zum knappen Wirtschaftsgut avancierten.

Die Brummels führen ein Familienunternehmen, haben sich auf Lagerlogistik und Dienstleistungen rund um die Kommissionierung spezialisiert. Doch dass Masken plötzlich nicht zu kriegen sein sollten, kann Julia Brummels Vater Johannes einfach nicht akzeptieren. „Für ihn war es nicht nachvollziehbar, dass wir in Deutschland auf die Belieferung aus anderen Ländern angewiesen und nicht in der Lage sind, so etwas qualitativ hochwertig selbst herzustellen", berichtet die 33-Jährige.

Produktion läuft unter dem Label „Jo Care"

Also entschließen sich die Brummels selbst einzusteigen. Bis März machen sie einen Hersteller ausfindig, der sie mit der notwendigen Maschine für die Produktion beliefern konnte. „Wir wollten eine vollautomatische Produktionslinie aufbauen", erklärt Brummel. Ohne Erfahrung mit der medizinischen Komponente dieses Geschäftes.

Parallel beginnen die Unternehmer, die ihren Betrieb an der Bielefelder Straße in Harsewinkel haben, das nötige Konzept zu entwickeln. „Es ging vor allem darum, die richtigen Materialien einzukaufen und entsprechende Verträge zu schließen", sagt Julia Brummel. Druckwiderstand, Atemfreiheit und möglichst große Keimfreiheit sind schließlich die wichtigen Kriterien, die ein guter Mund-Nasenschutz erfüllen muss.

Reinräume sind Pflicht

Ganz entscheidend ist allerdings der Produktionsprozess. „Wir haben Bereiche bei uns zu sogenannten Reinräumen umfunktioniert", erklärt die Versmolderin. Schon der Gang zum Ort der Herstellung muss sauber sein, er darf nicht mit Straßenschuhen betreten werden. Es folgt eine Schleuse, in der sich die Mitarbeiter umziehen: Schuhe, Arbeitsbekleidung, Handschuhe und Masken gehören zum Equipment, das nach jedem Verlassen des Produktionsbereiches gewaschen werden muss.

In der Produktion selbst herrschen keimarme Arbeitsbedingungen. „Wir sind reinraum-klassifiziert als Partikelreinheitsklasse der Kategorie C", erklärt Julia Brummel dazu. Nächstes Ziel ist es, den Mund-Nasenschutz als medizinischen MNS anbieten zu können. „Dafür brauchen wir noch die Zertifizierung. Vor zwei Wochen haben wir dafür Proben an ein Labor geschickt", so die Unternehmerin. Die verarbeiteten Komponenten erfüllten zwar bereits den Medizin-Standard, zertifiziert werden müsse allerdings das Produkt als Ganzes.

Im Online-Shop sind die Masken bereits erhältlich

Doch unter dem Label „Jo Care" läuft die Produktion bereits, Kunden können im Online-Shop bestellen. „Unsere Masken haben innen eine Filtereinlage aus Polypropylen-Vlies. Den Werkstoff nutzen wir auch für die äußere Schicht, ebenso wie für die Ohrenloops, die mit dem Rest der Maske ultraschallverschweißt werden", erklärt die Unternehmerin. Die Produktionsanlage ist wie ein T aufgebaut: Über Laufrollen wandert das Material in die Maschine, wird zusammengelegt und gefaltet. „Wir prägen unser Markenzeichen auf, damit die Herkunft des Produktes klar dokumentiert ist", sagt Julia Brummel.

Im nächsten Arbeitsschritt werden die Komponenten verschweißt und verschnitten, wandern über ein Laufband, wo die Ohrenloops mit der beschriebenen Technik hinzugefügt werden. Über zwei weitere Schleusen und ein Zwischenlager wandert die Ware in ein Kaltlager und harrt ihrer Auslieferung an die Kunden.

„In den nächsten zwei, drei Jahren ist die Nachfrage da"

Aktuell fertigt Jo Care 25.000 Masken pro Tag, zehn Mitarbeiter sind in der Herstellung beschäftigt. „Wir könnten auf 80.000 Stück pro Tag aufstocken, dann wären 20 Mitarbeiter dabei", sagt die 33-Jährige. Gut einen Monat ist Jo Care nun am Markt. „Die Resonanz ist gut, wir sind mit Blick auf die kurze Zeitspanne zufrieden", bilanziert Brummel. Bislang habe man über das eigene Netzwerk Kontakte geknüpft und den Online-Shop aufgebaut, nun soll das Business wachsen.

Dass den Gründern trotz ihrer unternehmerischen Erfahrung aus der Logistik mitunter auch mulmig war, gesteht Julia Brummel offen ein: „Wir haben hier mehr als eine halbe Million Euro investiert, sind unseren Lieferanten verpflichtet – da kriegt man schon mal Luftnot." Aber man sei überzeugt vom Produkt, von den Partnern und vom Team. Dass sich viele potenzielle Kunden bereits im Frühjahr mit Masken eingedeckt haben und nach der ersten Welle des Virus eine Beruhigung der Nachfrage eintrat, habe man natürlich registriert: „Aber wir sehen weiterhin: Es gibt die Nachfrage."

Die Brummels treibt auch der Gedanke einer nachhaltigen Produktion an: „Wir werden ausschließlich aus Deutschland beliefert und produzieren vor Ort. Es kann doch nicht sein, dass Krankenhäuser und Pflegeheime keine Masken bekommen, weil es bei uns keine Herstellungskapazitäten mehr gibt." So sehr sich jeder einzelne wünsche, dass die Beschränkungen der Pandemie bald vorbei seien – Julia Brummel sieht weiterhin einen Markt: „In den nächsten zwei, drei Jahren werden wir die Nachfrage nach Mund-Nasenschutz haben." Den Mut, diese Nachfrage zu bedienen, haben die Brummels bereits bewiesen.

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